Wir haben gerade einen der schönsten Texte der Bibel gehört: den Beginn der Bergpredigt bei Matthäus, die Seligpreisungen Jesu. Ich möchte mit Ihnen gemeinsam darüber nachdenken, wie dieses Wort Jesu für uns heute relevant sein kann. Wie kann es uns helfen, mit einer gewissen Leichtigkeit zu leben, ja: glücklich zu sein?
Die Weltlage ist ja schwierig. In der großen Welt gilt nun das Recht des Stärkeren, und nicht die Stärke des Rechts. Und in unserer persönlichen Welt merken wir auch: Es gibt Krankheit in der Familie und bei Freunden, es gibt manchen Konflikt, der wie ein Schatten auf unserer Seele liegt. Wie können wir zur Lebensfreude finden, zur inneren Kraft, die uns weitergehen lässt, mit Zuversicht und einer Portion Gelassenheit?
Und da kommt nun heute Jesus mit den Seligpreisungen. Neun Mal heißt es im griechischen Urtext: makarioi – das bedeutet: selig oder glücklich. Und immer sind es paradoxe Formulierungen: den Armen gehört das Himmelreich, die Sanftmütigen werden das Land erben, die Barmherzigen werden Erbarmen finden. Für uns sind diese Formulierungen paradox, weil es in unserer Erfahrung ganz anders ist: Die Armen bleiben arm. Die Gewalttätigen nehmen sich das Land. Die nach Gerechtigkeit hungern müssen zuschauen, wie sich Einzelne bereichern. Und das reine Herz: Wie soll man ein reines Herz bewahren, wenn man beim Gegenüber immer erwarten muss, dass er eine „hidden agenda“ hat, verborgene Absichten zu seinem eigenen Vorteil?
Die Seligpreisungen sind ein anderer Zugang, ein neuer Zugang zur Welt. Sie entsprechen nicht unserer Neigung zum tit for tat: Wie du mir, so ich dir. Sie sind ein Gegenprogramm zum schlecht Reden über andere. Die Seligpreisungen sind ein alternatives GPS zur Navigation in schwierigem Terrain.
Das waren die Seligpreisungen immer – und darum haben sie über die Jahrhunderte auch viele Menschen inspiriert. Wenn Sie eine Alternative zum negativen Mainstream suchen: hier ist sie! Darum haben wir für Sie alle diesen wichtigen Text auf eine Karte gedruckt – und jeder kann sie heute am Ende des Gottesdienstes mitnehmen.
Beim Lesen der Seligpreisungen merken wir: Ja, so sollte es sein. Ja, so möchte ich sein. Das macht mich innerlich freier, souveräner, lockerer. Die Seligpreisungen sind gleichsam „Physiotherapie für die Seele“ 😊.
Wenn Sie sich selbst etwas Gutes tun wollen, dann fangen Sie an, täglich in der Bibel zu lesen, nur einen kurzen Abschnitt. Kaufen Sie sich die Einheitsübersetzung 2016, die wir auch in der Liturgie verwenden (kostet ungefähr 10 €), und beginnen Sie mit dem Matthäus-Evangelium. Oder laden Sie die App „Stundenbuch“ herunter – dann können Sie die Bibeltexte vom Tag gut „portioniert“ lesen. Die App ist kostenlos.
Ich sage das deshalb so klar, weil ich merke, dass viele Menschen mit einer gewissen Traurigkeit durchs Leben gehen. Und ein Grund dafür ist, so denke ich, der starke Medienkonsum, vor allem online und im Fernsehen.
Dort sehen wir die Weltlage mit allen Katastrophen – und das prägt dann – langsam, langsam – unsere Stimmungslage. Weltlage prägt Stimmungslage. Das ist so, wie wenn es wochenlang nur Hochnebel gibt, und keine Sonne. Wir werden dann missmutig, grantig (in Vorarlberg: load). Der Blick in die Bibel ist ein wirksames Gegenmittel. Dort finden wir Worte der Weisheit, der Hoffnung und der Zuversicht. Das stärkt unsere Seele!
Naiv sind wir nicht als Christinnen und Christen. Wir wollen gut informiert sein über die Weltlage – und dazu brauchen wir Medien, allerdings in guter Qualität. Aber wir haben noch andere Quellen (denken Sie an die Musik!) – und eine solche andere Quelle ist die Heilige Schrift.
Dort merken wir, dass es richtig ist, sich für Gerechtigkeit einzusetzen, sich für Frieden zu engagieren und für die Armen. Und wenn man uns dann belächelt oder als „Gutmenschen“ verunglimpft: soll sein, das war schon zu Jesu‘ Zeiten so, wir halten dagegen.
Wir halten dagegen, indem wir unsere Spielräume zum Guten hin nützen. Und was „gut“ ist, das finden wir in den Seligpreisungen, in der Geschichte vom barmherzigen Samariter, im Gleichnis vom Weltgericht, ja in allen Schriften des Alten und Neuen Testaments.
Jede und jeder von uns hat Spielräume zum Guten hin. Ich bin seit vielen Jahren im Gefängnis, als Kaplan – in München, in Innsbruck, und nun auch wieder in Wien, in der Josefstadt. Dort habe ich den kleinsten Spielraum zum Guten hin entdeckt: ein freundliches Gesicht.
Erzbischof Lackner aus Salzburg hat einmal erzählt, dass er in Rom mit einem Freund unterwegs war. Es kommen ihnen zwei Priester entgegen, die düster dreinschauen. Der Erzbischof sagt zu seinem Freund: Wenn so die gute Nachricht ausschaut, dann möchte ich nicht wissen, wie die schlechte aussieht 😊. Also: Wir Menschen lesen im Gesicht der anderen, wir sind Ebenbilder Gottes – und ich stelle mir Gott freundlich vor, mit gutem Humor.
Ich komme zum Schluss und fasse zusammen:
Finden Sie Ihre Form, in der Bibel zu lesen.
Das stärkt Sie und gibt Ihnen einen neuen Blick auf die Welt.
Und schenken Sie sich selbst und anderen ein freundliches Gesicht: Smile 😊.
Amen.