Ich möchte heute über Jesus predigen, warum es gut ist, ihn zu kennen – und was das konkret für uns bedeuten könnte.
I.
Das Johannes-Evangelium hat einige Spitzenaussagen – und heute haben wir zwei dieser Spitzenaussagen gehört. Jesus sagt:
- „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“
- „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“
Ich bin erst mit 35 Jahren Jesuit geworden. In der Grundausbildung hat mich der Novizenmeister gefragt: Zu wem beten Sie? Wir waren vor fünfundzwanzig Jahren noch per Sie und Vornamen. Zum wem beten Sie, Christian? Ist das Gott, der Vater, der Schöpfer der Welt? Ist es Jesus? Ist es der Heilige Geist? Eine wichtige Frage, nicht? Ich glaube, es ist gut, das für sich zu klären: Wer ist mein Haupt-Gesprächspartner beim Beten?
Beten ist Sprechen wie man mit einem Freund spricht, so sagt Ignatius von Loyola. Mein Gegenüber beim Beten ist Jesus. Ihm erzähle ich am Abend meinen Tag, meine Begegnungen, meine ups and downs. Und in der Früh reden wir auch schon miteinander. Dabei hilft mir dieser Satz aus dem Evangelium heute, wo Jesus sagt: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“
Für mich bedeutet das: Der unsichtbare Gott ist sichtbar in der Person Jesu. So schreibt auch Paulus: Jesus ist das Bild (griechisch: eikon) des unsichtbaren Gottes (Kol 1,15).
II.
Dieser Jesus sagt zu Thomas: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Wirklich ein Spitzensatz. Damit scheiden allen anderen Heilsbringer aus: Technologie-Milliardäre, Staats-Präsidenten,Influencer, selbsternannte Messiasse.
In der NS-Zeit haben mutige Evangelische in Deutschland genau diesen Satz Jesu genommen, um sich von den Machthabern abzugrenzen. Das war schon 1934, in der Barmer Erklärung. Wir müssen keine anderen Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen, auch heute nicht.
Jesus ist der Weg und die Wahrheit und das Leben.
Wenn wir das ernst nehmen, wenn wir uns an Jesus orientieren wollen, dann kann das ziemlich praktisch werden. Wir werden zum Beispiel eine wertschätzende Sprache, einen freundlichen Umgang miteinander pflegen, und zwar bewusster als bisher – nicht nur aus bürgerlicher Konvention, sondern weil es die Art Jesu ist.
Und das bringt mich zur Sprache, die in den Internet-Foren genützt wird. Dort brauchen wir eine Klarnamen-Pflicht. Zu oft wird im Internet anonym gegen andere Menschen gehetzt. Der ganze Bereich des Internets wächst stark, gerade auch mit den Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Meine natürliche Intelligenz sagt mir, dass der rechtsfreie Raum dort immer größer wird. Da braucht es gesetzliche Regelungen – zum Schutz der Benutzer, vor allem von jungen Menschen. Wenn wir mit dem Blick Jesu, mit einem christlichen Blick, auf unsere Welt schauen, dann wird es also meistens recht konkret.
III.
Manchmal habe ich mit Verantwortlichen in christlichen Einrichtungen zu tun, zum Beispiel von christlichen Schulen oder Krankenhäusern. Sie fragen mich dann: „Wie können wir ‚christlich‘ sein? Wir haben keine geistlichen Schwestern oder Patres mehr im Haus – aber wir möchten in dieser Spur bleiben.“
Wenn man „christlich“ sein möchte, dann gibt es eine einfache Faustregel mit drei Punkten: Man wird – früher oder später – über die Person Jesu Christi sprechen. Man wird über die eigene Lebenspraxis nachdenken, ob die im Sinne Jesu ist. Und man wird sich Gedanken machen über die Gemeinschaft mit anderen Menschen, konkret auch über mein Mittun in der Kirche.
IV.
Die Person Jesu Christi lernt man am besten kennen, wenn man selbst in den Evangelien liest. Ich schaue auf die Verben, auf die „Tun-Wörter“ – Was tut Jesus? Ich habe es für mich so zusammengefasst: Jesus betet, heilt, lehrt und sendet. Und wenn ich in seiner Nachfolge bin, wenn ich ein Christ sein möchte, dann versuche ich das auch. Wir nennen das Imitatio Christi, wörtlich: Nachahmung Christi. So können wir geistliche Menschen werden.
Bei Exerzitien mit Führungskräften habe ich das auch so gesagt. Darauf fragt mich ein Teilnehmer: „Wie soll ich das machen, ich bin Wirtschaftsprüfer?“ Natürlich kann auch ein Wirtschaftsprüfer Jesus nachahmen. Jede und jeder von uns hat Möglichkeiten dazu.
Vielleicht denken Sie jetzt: Das ist gerade „etwas viel Jesus“, ein bisschen sehr direkt. Wenn Sie das bei sich verspüren, dann wäre mir das sehr recht 😊.
Es geht mir tatsächlich um eine stärkere Orientierung an der Person Jesu. Es gibt eine neue Sehnsucht nach Ernsthaftigkeit, auch im religiösen Leben. Viele Menschen suchen Orientierung in diesen nicht so einfachen Zeiten. Da ist das Leben Jesu eine Quelle der Zuversicht.
V.
Vielleicht wollen Sie sich diesen Satz als Ihr Wort für diese Woche mitnehmen, gleichsam als christliches Mantra: „Jesus sagt: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“
Amen.